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Joana Pichler (Kuratorin der Ausstellung)
über die Ausstellung:
Ankauf NÖ

 

In der Ausstellung "Ankauf: NÖ" präsentiert die Artothek des Bundes eine Auswahl von Werken jener Künstlerinnen und Künstler, die in Niederösterreich geboren wurden, und/oder ihren Schaffensmittelpunkt in Niederösterreich haben und in den Jahren 1995-1999 durch Kunstförderungsankäufe in den Bestand des Bundes aufgenommen wurden.

 

Mit "Ankauf: NÖ" stellt die Artothek eine Auswahl von Kunstwerken der letzten Ankaufsjahre vor und gibt somit quasi einen visuellen Bericht über die Förderungstätigkeit des Bundes im Land Niederösterreich. Darüberhinaus knüpft die Ausstellung an die 1999 im Künstlerhaus Graz stattgefundene Ausstellung „erwerbsart: Ankauf“ an und versteht sich in diesem Zusammenhang nicht singulär, sondern als ein Teil der fortsetzenden Bemühungen der Artothek, über die bestehende Sammlung zeitgenössischer Kunst hinaus zu informieren. Im Mittelpunkt der laufenden Ausstellungstätigkeit steht die Intention der Kunstförderung des Bundes Transparenz zu verleihen.

 

In den weitläufigen Räumlichkeiten des Niederösterreichischen Dokumentationszentrums für Moderne Kunst in St. Pölten können über 80 Werke von 68 Künstlerinnen und Künstlern präsentiert werden, hier konnte für die Ausstellung „Ankauf: NÖ“ ein optimaler Präsentationsort gefunden werden.

 

Der etwas prosaisch wirkende Titel nimmt bewusst Bezug auf die Ankauftstätigkeit der Artothek des Bundes, denn nach wie vor ist es weitgehend unbekannt, dass der Bund durch die seit 1945 getätigten Kunstförderungsankäufe einen Bestand von über 25.000. Werken zeitgenössischer Kunst sein Eigen nennt. Dieser Bestand gibt der Artothek die Gelegenheit, mit Ausstellungen im In- und Ausland in den letzten Jahren verstärkt am Diskurs zeitgenössischer Kunstproduktion teilzunehmen. Die Ankäufe sollen die gesamtösterreichische Situation und Entwicklung in einem wesentlichen Überblick dokumentieren, sie verleihen uns somit auch die Möglichkeit, einmal von der Bundes-Hauptstadt weg, Künstler im Wirkungskreis eines Bundeslandes zu zeigen. Niederösterreich macht hier den Anfang. Als ein Querschnitt des niederösterreichischen Kunstgeschehens konzipiert und ohne thematische Ausrichtung kann diese Ausstellung jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben und will sich nicht als eine regionale Leistungsschau verstehen.

Niederösterreichs reiches kulturelles Erbe der Vergangenheit verstellt dem Kunstinteressierten manchmal den Blickwinkel auf das reiche künstlerische Schaffen der niederösterreichischen Künstler der Gegenwart, ein Schaffen, das oftmals von internationalem Ruf geprägt ist und keinesfalls im Provinzialismus verharrt. Die zeitgenössische Kunstszene Niederösterreichs der letzten Jahre erhält sich durch zahlreiche Initiativen und Projekte lebendig und vielfältig. Unter den Prämissen des Typos eines „niederösterreichischen Künstlers reiner Prägung“ oder eines forcierten Regionalismus will sich „Ankauf: NÖ“ keinesfalls verstanden wissen. Zwar ist der Bezug zum Land als Überbegriff gegeben, jedoch besteht der künstlerische  Anspruch der präsentierten Künstler über alle Landesgrenzen hinweg. Hier seien nur beispielshaft die Namen von Christine und Irene Hohenbüchler, Bernhard Barek oder Herwig Zens genannt.

 

Den Schwerpunkt der Auswahl bilden Arbeiten der jüngeren und mittleren Künstlergeneration Niederösterreichs, einige Beiträge der älteren Künstlergeneration vervollständigen die Ausstellung. Die Palette der gezeigten Werke ist sowohl in formaler, als auch in inhaltlicher Hinsicht wissentlich sehr breit gehalten. Jedes Werk steht autonom für sich und zitiert einen eigenen Standpunkt.

Eine wesentliche Entwicklung der letzten Jahre zeigt sich in Über- und Ineinandergreifen verschiedener Techniken in der Kunst. Traditionelle Medien wie Malerei und Grafik nehmen noch immer einen sehr hohen Anteil ein, neuen Techniken und Medien sind ihnen aber bereits gleichgestellt. Kunstwerke konfrontieren uns vermehrt mit einer großen Anzahl von Formen und Entwicklungsverläufen, die den Betrachter zu einer erweiterten Sicht und Beurteilung herausfordern. Der Kunstbegriff per se unterliegt einer permanenten Veränderung und wird immer wieder akut modifiziert.

Diesem Paradigmenwechsel musste auch in der Ankaufspolitik des Bundes Rechnung getragen werden, die Sammlung der Artothek wird immer mehr, vor allem mit Arbeiten aus den Neuen Medien, Fotografie, Installationkunst und prozessorientiertem Arbeiten, aktualisiert und bereichert.

Die Intentionen der ausgewählten Künstler und Künstlerinnen divergieren, eine thematische Zusammenstellung in diesem Kontext würde die Möglichkeit einer aufmerksamen Auseinandersetzung begrenzen. Die Gegenüberstellung verschiedener individueller Werke und Arbeitsweisen soll nicht nur Konfrontation als Selbstzweck bewirken, sie evoziert ebenso eine Komplementarität der produktiven Spannung.

Konzeptionelle, reduktive, traditionelle Arbeitsweisen stehen expressivem Ausdruck, subjektiver Auffassung, kritischen Ansätzen und Betrachtungen gegenüber. Inhaltliche und technische Überschneidungen implizieren grenzüberschreitend immer neue Möglichkeiten des Kunstdiskurses.

 

Die unterschiedlichen Ziel- und Umsetzungen des künstlerischen Schaffens zeigen das breite Spektrum künstlerischer Gestaltungs- und Ausdrucksformen, verschiedene Standpunkte stehen somit gleichberechtigt nebeneinander und geben dem Betrachter die Möglichkeit, überblicksmäßig die in den letzten Jahren wichtigen strukturellen Entwicklungen und Tendenzen Niederösterreichs mitzuverfolgen.

 

Joana Pichler