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niederösterreich kulturpreisträger 2003

16. 1. bis 14. 2. 2004

 

 

Bildende Kunst

Lisl Ponger - Würdigungspreis
Brigitte Pamperl- Anerkennungspreis
Hilde Fuchs- Anerkennungspreis

Aus der Eröffnungsrede Alexandra Schantls:

Kulturpreisträger des Landes Niederösterreich 2003 –
Bereich
Bildende Kunst

 

Die Anerkennungspreisträgerin Brigitte Pamperl, 1951 in Salzburg geboren, studierte an der Hochschule für angewandte Kunst bei Prof. Tasquil und Prof. Hagenauer und ist seit 1974 als freischaffende Künstlerin tätig.

In ihrer künstlerischen Arbeit, die Schmuck-, Raum- und Lichtobjekte umfasst, geht es in erster Linie um eine Auseinandersetzung mit Grenzen, und zwar in räumlicher und ideeller Hinsicht. Brigitte Pamperl spürt dabei zum einen den Grenzen bei der Bearbeitung des Materials nach. Zum anderen liegt ihr daran, starre Begrenzungen aufzuheben, indem sie versucht, ihre Objekte möglichst flexibel zu gestalten. Das heißt, dass ihr auch das Thema „Beweglichkeit“ sehr wichtig ist. Pamperls Arbeiten sind daher oft aus gesteckten und miteinander verschraubten, also beweglich verbundenen Einzelteilen aufgebaut. Auf diese Weise wird Raum bezeichnet, gleichzeitig aber als unendlich erweiterbar vorgestellt und somit entgrenzt. Der zweite wesentliche Aspekt ihrer Arbeit ist die Beschäftigung mit Grenzen im Sinne von Normen, Ordnungssystemen und Codierungen, die unser Leben – bewusst oder unbewusst – bestimmen. So sieht Pamperl in der grafischen Darstellung der menschlichen DNS – also der genetischen Codierung - ein Symbol für Leben, während der optisch ähnlich gestaltete Barcode, mit dem Konsumgüter gekennzeichnet werden, als Symbol für materielle Werte steht. In ihren aktuellen Arbeiten betreibt die Künstlerin ein optisches Spiel, indem sie Gen- und Barcodes vermischt, überlagert und verdichtet. Hierfür werden in transparente Acrylplatten Codezeichen eingefräst, die entweder mit Graphit eingeschwärzt oder ausgeleuchtet werden. Durch die zusätzliche Verwendung von Spiegeln kann der Betrachter unmittelbar miteinbezogen werden. – „Nämlich in ein scheinbar unendliches Spiel, dessen Grenzen und Auswirkungen wir im realen Leben weder einschätzen noch wahrnehmen können“, so die Künstlerin.

„Kodierung“ lautet auch der Titel einer Arbeit der Anerkennungspreisträgerin Hilde Fuchs, die 2002 entstanden ist und in Berlin mit einem Preis ausgezeichnet wurde. Hilde Fuchs, geboren 1964 und in Orth/Donau aufgewachsen, studierte ebenfalls an der Hochschule für angewandte Kunst und zeichnet sich in ihrer künstlerischen Arbeit durch enorme Vielseitigkeit aus. Ihr Aktionsradius reicht von Kostüm- und Bühnenbildausstattungen, über Rauminstallationen, Video- und Fotoarbeiten bis hin zu Projekten im öffentlichen Raum.

Bei der 7-teiligen Ton- und Videoinstallation „Kodierung“, die hier nur ausschnittsweise gezeigt wird, handelt es sich um die Dokumentation eines 7-tägigen Selbstversuchs der Künstlerin, bei dem sie sich täglich monochrom, d.h. jeweils mit Lebensmitteln einer Farbe ernährt hat. Es ging ihr darum, zu überprüfen, inwieweit der Begriff „Farbton“ akustisch definiert werden kann. Zu diesem Zweck hat sich die Künstlerin nach den Mahlzeiten ein Mikrofon auf den Bauch gelegt, um die jeweiligen Verdauungsgeräusche bzw. „Farbtöne“ aufzunehmen. Damit sollte ein möglicher Zusammenhang zwischen „Farbstoff“ und dessen körperlicher „Vertonung“ – sprich Verdauung – aufgezeigt werden.

Die mehrfach konnotierte Arbeit beinhaltet auch eine ironische Weiterführung des Begriffs „Tafelbild“. Dazu die Künstlerin: „Eine tatsächliche ‚Kodierung‘ des jeweiligen Speiseplans geschieht durch die Verschlüsselung der Sprachinformation in einen Strichkode, der bildnerisch umgesetzt wird: Keilrahmen, Leinwand und Farbe werden jedoch ersetzt durch s/w-Fäden, die den Strichkodes entsprechend zu s/w-gestreiften Tischdecken verwebt werden. Die sieben ‚Farbstoffe‘ werden als ‚Tafelbilder‘ an eine Wand gehängt, so dass dahinter eine Lautsprecherbox Platz findet, über die die ‚Vertonung‘ des jeweiligen ‚Farbstoffs‘ eingespielt wird. Vis-à-vis werden jeweils auf einem Esstisch sieben Videomonitore ‚angerichtet‘, die das betreffende ‚Farbmahl‘ wiedergeben.“

Für die „Sleeping-Bags“ wurden Einkaufstauschen verarbeitet, die üblicherweise als Werbeträger fungieren, hier aber als selbstreflexives, konsumkritisches Material für „Textcollagen“ dienen. Optisch erinnern die „Sleeping-Bags“ an Patchwork-Decken. Mit der Verkehrung der kontextuellen Parameter geht es der Künstlerin bei dieser Arbeit vor allem um eine Hinterfragung konsumorientierter Wertvorstellungen und nicht zuletzt um ein sozialpolitisches Anliegen.

Die Problematik des Umgangs mit dem „Ethnischen“ – gekoppelt mit Kritik am Kolonialismus und Eurozentrismus – ist schließlich charakteristisch für das Werk der Würdigungspreisträgerin Lisl Ponger. 1947 in Nürnberg geboren, ist sie in den 70er Jahren zunächst im Umfeld der Aktionisten mit Fotos und Konzeptfilmen bekannt geworden. Lisl Ponger ist jedoch weder unter die Fotografinnen noch unter die Filmerinnen einzureihen, sondern vielmehr als Konzeptkünstlerin zu titulieren, die an der Schnittstelle zwischen Kunst, Wissenschaft und Leben arbeitet. Fotografie und Film dienen der Umsetzung ihrer gedanklichen und tatsächlichen Reisen rund um die Welt. Schauplätze ihrer mit verschiedenem Found-Footage-Material und exotischen Artefakten inszenierten Fotografien sind dabei meist Orte in Niederösterreich.

Lisl Ponger versteht sich als „Xenographin“, die den vom westlichen Vorherrschaftsgefühl geprägten Blick auf das Fremde zum Thema macht. Bezug nehmend auf die aus der Kolonialzeit stammenden und durch ein vermeintlich  anthropologisches Interesse motivierten fotografischen Darstellungen entblößter weiblicher Körper, die sehr oft mit abwertenden Untertiteln versehen wurden, hat die Künstlerin eine Reihe von Fotoarbeiten geschaffen, die sich dem voyeuristischen Blick des Betrachters verweigern: Da die Augen der Protagonistinnen durchwegs geschlossen sind, ist damit jeweils auch der Spiegel ihrer Seele verschleiert. Die Dargestellten sind so gewissermaßen vor verletzenden Blicken geschützt, und die Integrität ihrer eigenen Welt bleibt gewahrt.

Auch der Found Footage-Film „Déjà vu“ handelt von dem klischeehaften Bild, das sich der Westen von fremden Kulturen gemacht hat. Lisl Ponger hat dabei gefundene anonyme Amateurfilme westlicher Touristen miteinander verkettet und diese mit Authentizität suggerierenden Geräuschen und Musik unterlegt sowie mit verschiedensprachigen Tonaufnahmen kombiniert, die jeweils die Denkweisen und kulturellen Vorurteile ihrer SprecherInnen reflektieren.

Tim Sharp hat über den Film einmal Folgendes geschrieben:

„Rein für sich betrachtet, würden die Bilder nur eine differenzierte Montage aus Amateurfilmaufnahmen ergeben. Eine Art ‚In-zwanzig-Minuten-um-die-Welt-und-rechtzeitig-zum-Tee-zurück‘-Film. Erst im Zusammenspiel mit dem Ton wird der Tee so heiß, dass die Kanne platzen könnte. Gleichzeitig handelt der Film von seiner Autorin, die aus einem kleinen Binnenland stammt. Vom übrigen Europa unterscheidet sich dieses Land nur darin, dass es nie ein Kolonialimperium in Übersee unterhielt. Dennoch finden sich hier imperiale Attitüden und deren Nachklänge. ‚Déjà vu‘ ist ein Film über uns und zugleich eine Einladung, zwischen den Paradigmen hindurchzusegeln [...].“

Alexandra Schantl

 

 

Medienkunst (Videokunst, digitale und spartenübergreifende Medien)

Peter Tscherkassky - Würdigungspreis
Kerstin Cmelka- Anerkennungspreis
Martin Anibas - Anerkennungspreis

Aus der Eröffnungsrede Birgit Maimers:

Kulturpreisträger des Landes Niederösterreich 2003 –
Bereich Medienkunst, Sparte Experimentalfilm und experimenteller Animationsfilm

Österreichs Avantgardefilmszene genießt international eine sehr gute Reputation, zu der die Filmemacher und Kulturpreisträger des Landes Niederösterreichs, deren Werke im Rahmen dieser Ausstellung präsentiert werden, wesentlich beigetragen haben.

Der Würdigungspreisträger Peter Tscherkassky arbeitet in seinem Studio im südlichen Weinviertel, im Dorf Enzersfeld, hat aber seine ersten filmischen Eindrücke in Mistelbach gesammelt, wo er aufgewachsen und zur Schule gegangen ist. Neben seiner filmischen Praxis hat er sich sehr intensiv mit grundsätzlichen Fragen der Kunst und Ästhetik des Films beschäftigt. Dieses Thema hat er auch in seiner Dissertation im Rahmen eines Philosophiestudiums aufgegriffen. Er hat sich verdient gemacht durch sein Bemühen um Verbreitung des österreichischen Films, war in den Jahren 1993 und 94 Leiter der Diagonale, ist Gründungsmitglied von Sixpack-Film und hatte seit 1989 bereits zahlreiche Lehraufträge für Filmpraxis an der Universität für angewandte Kunst in Linz und später auch in Wien.

Peter Tscherkassky arbeitet im Stil des Found Footage Films, das heißt, er greift auf bereits vorhandenes Filmmaterial zurück, bearbeitet es, verfremdet es und interpretiert es inhaltlich neu. Das filmische Ausgangsmaterial wird in der Dunkelkammer aufwändig händisch und Kader um Kader auf Rohfilm umkopiert, wird aus seinem ursprünglichen Kontext heraus verschoben und zugleich – mittels vielfacher Mehrfachbelichtungen – verdichtet. Mit einem Laserpointer erzielt Peter Tscherkassky flackernde, visuell aufregende Hervorhebungen.

Seinen internationalen Durchbruch hatte er im Jahr 1999 mit „Outer Space“. Dieser Film wurde auf 80 Festivals eingeladen und hat 18 zum Teil höchst renommierte Preise erhalten. „Dream Work“, 2001 entstanden, hat bereits 11 Preise erhalten.

Diese beiden Werke  sind Teil einer Cinemascope-Trilogie  und basieren auf dem US-Horrorfilm „The Entity“ mit Barbara Hershey, die es im Original mit Poltergeistern zu tun hat. In „Outer Space“ kämpft sie 10 Minuten lang einen Kampf gegen unsichtbare Gegner, unter denen vor allem das Kino selbst ist, das über die Frau hereinzubrechen scheint. „Dream Work“ dauert 11 Minuten und führt die Darstellerin in eine Traumlandschaft von Licht und Schatten.

Kerstin Cmelka wurde 1974 in Mödling geboren und hat in Frankfurt studiert. Auch ihre Filme wurden seit 1999 schon bei zahlreichen internationalen Filmfestivals gezeigt. Nun erhält sie den Anerkennungspreis des Landes Niederösterreich im Bereich Medienkunst – Experimentalfilm.

Interessant an ihrer Arbeitstechnik ist, vor allem im Vergleich zu Peter Tscherkassky, dass ihre Filme nicht am Schneidetisch, sondern vor allem in der Kamera entstehen. Kerstin Cmelka setzt dabei Mehrfachbelichtungen und Masken ein.

Der Fachbeirat, der damit befasst war, Vorschläge für die Zuerkennung der Kulturpreise zu machen, schätzte vor allem, dass Kerstin Cmelkas Arbeiten einen hohen Grad an Eigenständigkeit zeigen, aber dennoch auch die Tradition fortsetzen. Ihre Werke zeigen eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit grundlegenden filmischen Parametern, haben etwas sehr performatives und sind sehr reduziert auf die Elemente Raum – Zeit , und – Körper.  Zu ihren erfolgreichen Filmen zählen: „In einem Raum“, „Et In Arcadia Ego“, „camera“, „Mit mir“ und ihre jüngste Arbeit „Hallowe´en“.

Martin Anibas ist im Kontext des experimentellen Animationsfilmes im Moment einer der wichtigsten Vertreter. Er wurde 1961 in Waidhofen an der Thaya geboren und lebt nun in Zwettl, wo er sich sehr für Vermittlungsarbeit im Bereich Bildender Kunst engagiert. Er ist bereits Kulturpreisträger des Landes Niederösterreich, er hat bereits den Anerkennungspreis für Bildende Kunst erhalten, nun wurde ihm der Anerkennungspreis für seine Arbeit im Bereich Medienkunst - Animationsfilm verliehen.

Martin Anibas besuchte die Klasse für experimentellen Animationsfilm und die Meisterklasse für Malerei und experimentelles Gestalten bei Maria Lassnig und Christian Ludwig Attersee an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Es folgten zahlreiche Ausstellungen im Bereich der bildenden Kunst im In- und Ausland, sowie internationale Festivalteilnahmen mit seinen insgesamt 24 Animationsfilmen.

Martin Anibas leistet in einem Cross-over zwischen Bildender Kunst und Film einen wichtigen Beitrag für filmkulturelle Arbeit. Ein Thema, das in seinen Arbeiten immer wieder kehrt, ist der Versuch, einen malerischen Gestus für Landschaft und Literatur zu finden. Seine Filme erzählen keine Geschichten, sondern kreisen um dynamische, rthythmische Metamorphosen oder beschäftigen sich mit gegenstandslosen Farbkompositionen. Ein besonders gutes Beispiel für sein Werk ist der im Jahr 2001 entstandene Animationsfilm „Pique-Nique“.

 

Fotos aus der Ausstellung:

 

Lisl Ponger

 

Konzepte – Strukturen – Wandlungen

 

Lisl Ponger wird aufgrund der Medien, die sie seit den 70er-Jahren bevorzugt verwendet, gerne unter die Fotografinnen und Filmerinnen eingereiht. Sie sollte jedoch als Konzeptkünstlerin bezeichnet werden, gleichzeitig als Analytikerin an der Schnittstelle zwischen Kunst, Wissenschaft und Leben. Um die Ideen ihrer gedanklichen und tatsächlichen Reisen umzusetzen, greift sie zu Fotografie und Film, ist dabei aber auch Sammlerin und Inszenatorin von Räumen. In ihrem auf diversen Flohmärkten zusammengetragenen Fundus finden sich Andenkenstücke und sogar Filme, die neu aufbereitet werden, Bilder alter und moderner MeisterInnen, dazu Stoffe, Schuhe, Vorhänge und Möbel – oft im Imperial- oder Orientlook. Alle diese Objekte werden herangezogen, um Identitätsbefragungen durchzuführen.

In einer Serie neuer Selbstbildnisse stellt sich Lisl Ponger als „Xenographin“ dar, die sich selbst in dieses Found Footage-Material kleidet und mit Tourismuskitsch-Idolen umgibt, die plötzlich gleichgestellt sind mit den „echten“ Idolen, Masken und magischen Gegenständen... 

Brigitte Borchhardt-Birbaumer

 

Brigitte Pamperl

 

Grenzen spüren und verschieben

 

In meiner künstlerischen Arbeit versuche ich Grenzen zu hinterfragen. So sind räumliche Begrenzungen ein Thema. Räume entstehen durch Begrenzung. Diese Begrenzung wird gewünscht, gibt Sicherheit und kann gleichzeitig als Einengung empfunden werden. Ich setze Begrenzungen in starr-beweglicher und wieder teilbarer Form um eine mögliche Weiterbewegung nicht zu behindern. Im nicht visuellen Bereich sind die Grenzen: Normen, Regeln und Codierungen, welche das Leben bewusst und unbemerkt bestimmen und eingrenzen. Codierungen genetischer und materieller Werte versuche ich zu überprüfen und darzustellen. „Ich spiele“ mit optischem Vermischen und Überlagern von Gen – und Barcode ein scheinbar unendliches Spiel, dessen Grenzen und Auswirkungen wir im realen Leben nicht einschätzen und wahrnehmen können.

Brigitte Pamperl

 

Hilde Fuchs

 

Suche nach Existenz – Ergründung der Mitte

 

Hilde Fuchs schaut gerne auf das Darunter, auf die Grundlagen einer Sache, einer Existenz. Sie sucht den „Boden unter den Füßen“ und den Blick auf das „schnell Übergangene“ und unternimmt den Versuch, auf dem Gebiet ihres eigenen Kunstschaffens kein „Betreten Verboten“ als gegeben zu nehmen – so ist es zu verstehen, dass sie sich eine Woche lang im Selbstexperiment täglich nur monochrom nach einer Farbe ernährt und sich dann zwei Stunden lang ein selbstgebautes Mikrofon auf den Bauch legt, um die Möglichkeit eines semantischen Bezugs zur Wortschöpfung „Farbton“ zu erkunden – das „Betreten Verboten“ vor der Stufe zur Pseudowissenschaft wird nicht als Hindernis sondern als Ausgangspunkt einer tatsächlichen Selbsterfahrung benutzt... 

Tina Kosak

 

Peter Tscherkassky

 

Manufraktur – vom Found Footage zum Laserpointer

 

...Sein eigener Weg zur Filmpraxis führte über die Theorie:

Tscherkassky studierte Philosophie in Wien und Berlin. In Berlin war es auch, wo er 1979 mit dem Super-8-Format seine ersten filmischen Experimente realisierte. Sechs Jahre später folgte der erste 35mm-Film „Manufraktur“. Das war zugleich der erste mit gefundenem Filmmaterial, sein erster „Found Footage“-Film, hergestellt in jener Dunkelkammer, die er sich als Jugendlicher im elterlichen Haus in Mistelbach eingerichtet hatte. 

...Der internationale Durchbruch als Filmkünstler kam 1999: mit seinem Film „Outer Space“. „Outer Space“ ist ebenfalls ein Werk aus gefundenem Filmmaterial, ein zehnminütiges Destillat aus einem Hollywood-Horrorfilm. Zu mehr als 80 Festivals wurde „Outer Space“ weltweit eingeladen und auf diesem Triumphzug mit 18 Preisen ausgezeichnet.

...sein kleines Studio, oder seine „Filmmanufraktur“, wie er es nennt, hat sich Peter Tscherkassky mittlerweile im südlichen Weinviertel eingerichtet. Mittels einer aufwendigen handwerklichen Kopiertechnik belichtet der Künstler bis hin zum Einzelkader neu und erzielt mit einem Laserpointer als wichtigstes Werkzeug seine flackernden, visuell aufregenden Hervorhebungen...

Brigitta Burger-Utzer

 

Kerstin Cmelka

 

Bewegung – Manipulation – Irritation

 

Kerstin Cmelkas bisherige Veröffentlichungen lassen sich grob als filmische Bearbeitungen von Körper und Räumen charakterisieren. Wesentlich daran ist, dass die (weitgehend stummen) Filme nicht am Schneidetisch, sondern bereits in der Kamera entstehen: 

Kerstin Cmelka setzt dabei unter anderem Mehrfachbelichtungen und Masken ein, macht also Gebrauch von den ältesten „special effects“ des Kinos. Die vorfilmische Wirklichkeit, das Abgebildete, wird auf diese Weise einem diskreten Verfremdungsprozess unterzogen. Verschiedene Zeitebenen legen sich über- und nebeneinander, Körper generieren geisterhafte Doppelgänger, stabile räumliche Strukturen geraten kaum merklich in Bewegung...

Isabella Reicher

 

Martin Anibas

 

Metamorphosen im experimentellen Film

 

Martin Anibas zeichnet Stimmungsbilder auf Papier und lässt diese zu bewegten Animationsbildern werden. In seinem letzten Film „Pique-Nique“ (2001) bringt er diese Technik virtuos zum Einsatz und lässt den Betrachterlnnen viel Freiraum für eigene Assoziationen. Die Animationsfilme von Martin Anibas erzählen keine Geschichten, sondern kreisen um dynamische, rhythmische Metamorphosen oder beschäftigen sich mit gegenstandslosen Farbkompositionen. Sie haben einerseits Bezüge zum abstrakten Film der 20er-Jahre, anderseits greifen sie Aspekte des hand-painted film des durch Oskar Fischinger inspirierten US-amerikanischen West-Coast-Experimentalfilms auf.

Christine Dollhofer