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Hermann
Nitsch
Existenzsakrale
Malerei, exzessive Aktion und Lebensliturgie
Zwanzig Jahre nach
der Nominierung Hermann Nitschs für den Würdigungspreis des Lands
Niederösterreich fällt einer zweiten Jury nun die Entscheidung zu
mit den Kulturverantwortlichen das nachzuholen, was damals versäumt
wurde ... Sicher kommt diese Würdigung von 2004 um Jahrzehnte zu
spät, doch das Werk des 1938 in Wien geborenen Künstlers
polarisiert nach wie vor, da Vorurteile und Nichtwissen auf beiden
Seiten ein schwarz-weiß Denken erzeugten ...
... Ein solches Pro
und Contra ist abzulehnen, um die wissenschaftliche Einordnung des
verdienstvollen Lebenswerks im Rahmen einer internationalen
aktionistischen Bewegung der 60er bis 80er-Jahre Berufeneren zu
überlassen als den Skandal witternden Zeitungen und ihren Lesern
und Leserinnen.
Wer zu Nitschs
Schüttbildern und seiner seit 1957 in zahlreichen
tagelangen Aktionen seines Orgien Mysterien Theaters (OMT)
erarbeiteten Gesamtkunstwerkidee wirklich mehr wissen will, sollte
die zahlreichen Dissertationen, Katalogtexte, auch die 1987 von
Werner Hofmann im Kunstforum international verfasste Kritik lesen
und auch die über tausend Seiten füllenden Kommentare des
Künstlers selbst zu seiner Erweiterung von Kunst (Theater, Musik
und bildende Kunst synästhetisch zusammengefasst in einem
Gesamtkunstwerk nach Richard Wagner) ...
Brigitte
Borchhardt-Birbaumer
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Petra
Buchegger
Frau
sein jenseits von FrauenBildern
Wenn Petra Buchegger
am Frauenbild ein Stück Theorie an der eigenen
Arbeit prüft, geschieht dies unter dem Gesichtspunkt einer
Genealogie, die sie in die Rolle der weiblichen Vorfahren schlüpfen
lässt, um anhand von Vergleichen das Eigene aus dem Vorhergehenden
erfahrbar zu machen. Oft ist es dabei die Kleidung, die den Part der
Narration übernimmt und auch symbolhaft eingesetzt
wird. Ihre Serie «Kleider machen Leute» verarbeitet Kriterien
von Mode, Werbung und Vermarktung ebenso wie sie Mode
als Projektionsfläche untersucht ...
... Die
Kittelschürze, so die Künstlerin, betont eine Kontinuität einer
weiblichen Genealogie und unterstreicht die Bedeutung für
die eigene Identitätssetzung. In vielen Werkgruppen, die aus Zeichnungen,
Objekten oder Projektionen bestehen, greift Petra Buchegger
immer wieder eine ähnliche Thematik auf, etwa in den »Projizierten
Frauenbildern«, in denen sie das eigene mit dem fremden
Bild überblendet...
Textauszüge
von Susanne Neuburger
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Veronika
Dirnhofer
Der
erste Eindruck
Gerade noch mit
ausgestreckten Armen fassbare, menschengroße Bilder,
offen und dicht zugleich, intensiv färbig - nicht bunt! Deckende
Stellen korrespondieren mit lasierten Farbaufträgen, strenge
(auch geometrische) Elemente mit frei gesetzten Pinselstrichen,
welche sich zu figurativen Elementen formen können. Gekonnt
lässt sie den weißen Bildgrund als Teil der Komposition stehen,
schemenhaft deuten sich Formen an, Bildebenen öffnen
sich und werden zu
einem Ganzen.
Veronika Dirnhofer
betreibt keine illustrative Malerei ...
Köpfe, Figuren
gezeichnet oder mit dem Pinsel skizziert, dann wieder flächig mit
fließenden Farben gemalt, sind in erster Linie der Malerei
verpflichtet. Die Wirklichkeit muss sich dem Bild unterordnen! ...
... Eine besondere
Stärke ihrer Arbeit ist es, dass man nicht merkt, wie
die scheinbar rasch hingeworfenen Formen einem vielschichtigen,
längeren Prozess zugrunde liegen. Was sichtbar bleibt, ist eine
Reise in die Bilderwelt von Veronika Dirnhofer, das Zeichen malerischer
Intelligenz.
Textauszüge
von Helmut Swoboda
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Elfriede
Mejchar
Fotodokumente
Elfriede Mejchar
(1924 in Wien geboren, in Niederösterreich aufgewachsen) ist eine
besondere Fotografin: Sie übte die Fotografie als
Beruf aus und widmete ihre Arbeit für das Bundesdenkmalamt der
Dokumentation des österreichischen Kulturguts. Gleichzeitig und
parallel zu ihren Arbeiten «im Auftrag» entwickelte sie ihre eigenen
inhaltlichen Schwerpunkte, Themenfelder, die sie in großen
Werkgruppen, zum Teil über Jahrzehnte hinweg, fotografisch
bearbeitete. Ein erstaunlich vielschichtiges Werk ist so entstanden,
das uns in allen seinen Facetten die sehr persönliche, authentische
Haltung von Elfriede Mejchar zur Wirklichkeit nahe bringt.
Erstaunlich, vor
allem im Rückblick, ist die Serie von Porträts österreichischer
Künstler (1959-1962).
Ein weiterer
wichtiger Aspekt ihres Werkes (und wohl ihrer Persönlichkeit) ist
ihre Vorliebe für das abseits Liegende: für Landschaften, Gegenden
in der Zwischenzone von Stadt und Land gelegen;
für heruntergekommene Architekturen, die Zeugen ehemals
intensiver industrieller Nutzung sind ...
Textauszüge
von Christine Frisinghelli
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Iris
Andraschek
Im
Spiegel der Kamera
Soziologische
Konstrukte, Menschen in ihren Lebensräumen bieten die
Basis für eine Vielzahl der Werke von Iris Andraschek. Durch genaue
Beobachtung und intensive Recherche entwickelt sie Studien
des schützenden Raums, die in auf Fotografie basierenden Arbeiten
festgehalten werden. Zufällige Begegnungen, Vertraute und
Freunde finden sich als Ausgangspunkte des künstlerischen Diskurses.
Seit längerem ist die Künstlerin mit dem Thema Hausund Obstgärten
beschäftigt. Mitten in dieser Werkgruppe, die 2001 in
Niederösterreich begonnen und seit 2002 in Kanada weitergeführt
wurde, findet sie durch die Begegnung mit einer aus Deutschland nach
Kanada emigrierten Frau zu einem neuen Projekt. »Best left
at hörne with friends«, aus einem Gedicht des vier Tage vor dem
Waffenstillstand im Alter von 25 Jahren an der Front gefallenen
englischen Lyrikers Wilfred Owen, wird zum Überbegriff der neuen
Serie. In Konfrontation mit den unglaublichen psychischen Belastungen,
die der allem übergeordnete Wunsch des Überlebens mit
sich bringt, finden sich bei Owen und der deutschen Emigrantin klare
Parallelen wieder: Um zu überleben ist die Frau als Köchin im örtlichen
Bioladen, als Aktmodell und als esoterische Praktikerin tätig.
Zusammen mit den Kindern und einer Freundin lässt sie sichauf einen
inszenierten Diskurs mit der Kamera ein ...
Textauszüge
von Inge Nevole
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Robert
Zahornicky
Hawking
hat sich geirrt oder Zerschnipselte Informationen
»Ich denke an
Signale aus dem Kosmos, durch das Hintergrundrauschen
möglicherweise eingeschränkt, in denen Botschaften verborgen
sein können.«
Robert Zahornicky
Viele Arbeiten von
Robert Zahornicky basieren darauf, dass es die
verschiedensten
Erscheinungsformen ein und des selben Dings
gibt ...
... Wenn er in
seiner Arbeit «Schrift-Stücke» Micky Maushefte aus seiner
Jugend, Telefonbücher, Zeitschriften, alte Adressbücher, Bedienungsanleitungen
und Landkarten im Aktenvernichter zerstückelt und mit seinem Blick
durch die Kamera wieder neu zusammensetzt,
dann baut er Skulpturen aus dichtestem Informationsmaterial. Neue
Universen entstehen, neue Zusammenhänge, neue
Texte - in einer Sprache, die erst durch die Wahrnehmung des
Betrachters lesbar wird ...
Textauszüge
von Andrea Sodomka
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