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Franziska & Lois Weinberger
Bildende Kunst (Würdigungspreis)
Im Zentrum der Arbeit von Lois Weinberger steht die Vorstellung von
einem Garten als "perfekt provisorischem Gebiet". Einem
Künstler-Forscher gleich richtet sich seine Aufmerksamkeit auf eine
weltweit dominierende Zivilisation, die den einst lebendigen Austausch
zwischen den freien Kräften natürlichen und kulturellen Wachstums und
den gesellschaftlich begründeten Vorstellungen nützlicher Ordnungen
längst der normativen Kontrolle aus dem Geist moralisch verbrämter
Werteskalen unterworfen hat. Auf die freie Entfaltung natürlicher wie
kultureller Prozesse im Ungeordneten, Randständigen, Beiläufigen und
anarchisch Wuchernden richtet sich die analytisch politische Recherche
und künstlerische Formfindung in Weinbergers kreativer Wissenschaft.
In Bildern und Texten, Objekten und Wandzeichnungen, Dia-Archiven,
Video-Installationen und ortsbezogenen Interventionen entwickelt sich
ein ebenso beiläufig wie poetisch anmutender Kosmos. Er bietet sich dar
als ein präzise recherchierter und poetisch kodifizierter Raum für
ebenso dynamisch wuchernde wie fragile Vorstellungen von antinormativen
gesellschaftlichen wie natürlichen Lebensprozessen. Das perfekt
provisorische Gebiet ist der Raum für alltägliche Handlungen an einem
nach alltäglichen Normen 'falschen Ort', das Gebiet des und der
anderen, die für sich selbst auftreten und zugleich Metaphern für eine
andere, nicht mehr alltägliche mentale Ordnung sind. Der international
renommierte Künstler hat maßgeblich die neue Diskussion "Kunst- Natur"
in den 1990er Jahren bis heute mitbestimmt. Lois Weinbergers Beitrag
zur documenta X (1997) ist bislang eine der weltweit bekanntesten
Interventionen in einer über Jahrzehnte entwickelten künstlerischen
Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Verhalten im Natur-und
Zivilisationsraum.
Annelie Pohlen, 2007
Iris Andraschek und Hubert Lobnig
Kunst im öffentlichen Raum - Sonderpreis 2010
(Würdigungspreis)
Iris Andraschek und Hubert Lobnig sind mit ihrem Teppichmosaik am Uni
Campus zunächst auf der sicheren Seite des Ornaments. Die andere,
weniger programmierbare Seite der Arbeit aber ist die der
‚kommunikativen' Installation, die aktivistische Arbeitsweise mit
gesellschaftlicher Intervention verbindet. Das Markieren einer Zone für
menschliche Kontakte in angenehmer, ja fröhlicher Atmosphäre hat auch
einen durchaus funktionellen Anstrich, wenn auch die Autonomie der
künstlerischen Arbeit gewahrt bleibt. Die Boden-teppiche strukturieren
den freien Platz, sie laden ein, ihn als Aufenthalts- und
Betrachtungsort zu benützen, an bestimmten Orten zu verweilen, sich auf
ihnen zu treffen. Sie sollen dem Platz eine Markierung verleihen
("Treffen wir uns bei den Teppichen!")...und sollen auch Augenweide
sein, ein Treffpunkt verschiedener Kulturen und Sprachen - zugleich
kritische Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Realitäten' sagen die
Interventionisten Iris Andraschek und Hubert Lobnig, die in gemeinsamer
prozesshafter, immer reflexiver Vorgangsweise zahlreiche Projekte im
öffentlichen Raum durchgeführt haben. Immer ging es um
Kommunikationsorte, Aktivierung und Belebung, um strukturelle
Überlegungen zu Situationen und Orten und geradezu situationistische
Porträts des öffentlichen Lebens.
Life Between Buildings ist somit nicht alleine als künstlerische,
sondern auch als politische Intervention zu betrachten. Über die
romantischen Bilder von nomadisierenden Stämmen hinaus, weisen Iris
Andraschek und Hubert Lobnig auf die Billiglohnländer der Welt hin, und
auf die neuen Grenzen, die der Neoliberalismus miterzeugt.
Aus: Iris Andraschek und Hubert Lobnig; Life between
Buildings-Lebensbaum
und Kalaschnikow: Brigitte Huck, 2005
Katarina Matiasek
Bildende Kunst (Anerkennungspreis)
Die foto- und videografischen Arbeiten von Katarina Matiasek nehmen
sich die Anziehungskraft des Panoramas als Ausgangspunkt, um nach der
Herstellung von fotografischer wie filmischer Bedeutung zu fragen. Die
klassische fotografische "All-Ansicht" (pan horama) entspricht
technisch einer Bewegungsspur der Aufnahmeoptik über das Filmmaterial.
Wird in Katarina Matiaseks Arbeiten diese Kontinuität durch formale und
konzeptuelle Brüche oder Absenzen gestört, so garantiert die
panoramatische Ansicht dem Betrachter keine bleibenden räumlichen
Verhältnisse mehr. Seine Wahrnehmung wird dabei weniger von einer
äußeren Wirklichkeit im physischen Sinne herausgefordert als von einer
Wirklichkeit des Medialen bzw. ediatisierten. Seit 1997 entwickelt
Katarina Matiasek in Zusammenarbeit mit dem britischen Komponisten
Scanner auch audiovisuelle Panoramen, die in immer neuen
Reflexionsbewegungen das Verhältnis von Bild und Ton aufgreifen.
www.katarinamatiasek.net
Nikola Hansalik
Bildende Kunst (Anerkennungspreis)
Die Installation "Selfportrait Nr. 5: NY Fortune" verschleiert mehr,
als sie zeigt. Für diese Arbeit hat sich Nikola Hansalik eine Woche
lang jeden Tag von einer anderen New Yorker Wahrsagerin die Zukunft
voraussagen lassen. Telefonhörer an der Wand geben diese sieben
Zukunftsszenarien wieder. In manchen Punkten überschneiden sich die
Prognosen, in anderen widersprechen sie sich. Durch die wiederholte
Befragung der Wahrsagerinnen nimmt die Künstlerin den einzelnen
Aussagen die Aura und Wirkungsmacht und führt sie ad absurdum. Darüber
hinaus gelingt Nikola Hansalik mit dieser Installation ein ironischer
Kommentar auf ihr eigenes Künstlertum. Ein Thema, dass in ihren
Arbeiten immer wieder zu finden ist. Denn bei Mrs. Jacy, Mrs. Cathy,
Miss Livia etc. scheint Einigkeit darüber zu herrschen, dass sich New
York als fruchtbarer Boden für die Karriere der Künstlerin erweisen
wird. Hier schwingt der Mythos vom erfolgreichen New Yorker Künstler
mit, der dem subtilen Spiel dieser Installation mit Wunsch und
Wahrheit, Zukunftsentwürfen und Zukunftsängsten eine selbstreflexive
und zugleich ironische Note verleiht.
Michael Kienzer
Kunst im öffentlichen Raum - Sonderpreis 2010
(Anerkennungspreis)
Kienzers Plastiken kippen konventionelle Wahrnehmungsmechanismen und
revolutionieren das visuelle und kognitive System des Betrachters. In
diesem Sinn ist Kienzers künstlerische Strategie die der Konspiration.
Er erkundet das allen Dingen inhärente Potenzial ästhetischer
Transformation und inhaltlicher Bedeutungsverschiebung. Er setzt seine
Kunst komplexen räumlichen und gesellschaftlichen Referenzsystemen
entgegen und unterwandert die repräsentativen Eigenschaften und
innersten Strukturen der von ihm vorgefundenen Materialien und Räume,
um sie subtil und subversiv wieder für seine Zwecke in Stellung zu
bringen. Dabei entstehen Interventionen, die verstören - und zwar
verstören sie die konditionierten, ewig gleichen assoziativen Ketten,
die einem permanent den richtigen Gebrauch der Dinge und die
Normiertheit der Werte signalisieren und suggerieren. Das Delirium
repräsentativer Mechanismen in Michael Kienzers Arbeit fesselt umgehend
die unbewusste Aufmerksamkeit des Betrachters. Um aber dem Kern seiner
Kunst näher zu kommen, sind weitere Beobachtung sowie mentale und
physische Beweglichkeit gefordert.
Peter Noever aus "Michael Kienzer Neue Immobilien" 2005 MAK
Regula Dettwiler
Kunst im öffentlichen Raum - Sonderpreis 2010
(Anerkennungspreis)
Regula Dettwilers Arbeiten zeigen immer eine höchst artifizielle Natur.
Ob es sich um eine Gartenanlage im Außenraum handelt oder um
Pflanzenkreationen im Ausstellungskontext, stets sind Boden, Flora und
Fauna vom Menschen zugerichtet und stellen diese Zurichtung auch
deutlich zur Schau:
Die künstlich aufgeschütteten Hügel der kleinen, von Haustieren
belebten Landschaft in Tulln erheben sich zu unvermittelt. Die
Maßstäblichkeiten zwischen ihnen sowie den Tieren, den Häusern und den
Seen – Miniaturimitaten des Aral- und Chiemsees – sind so disparat,
dass die Landschaft mit Tieren fast zur Karikatur einer modell- und
versatzstückhaft zusammengesetzten Naturgestaltung wird. Auch die
Säumung des Gummibaumgrüns mit Bordüren in o.T. (Rüdiger) treibt die
Verkünstlichung der Natur humorvoll auf die Spitze. Rüdigers Zierbänder
an den Blätterrändern rücken die Topfpflanze – schon an sich
domestiziertes Hausutensil – in die Nähe dekorativ eingefasster
Gardinen oder verzierter Sofakissen.
Zentrales Thema der in Wien lebenden Schweizer Künstlerin ist die
menschliche Aneignung bzw. Vereinnahmung von Natur, deren Kultivierung
und Indienstnahme für verschiedene menschliche Bedürfnisse von
Unterhaltung bis Dekor. Gleichzeitig spielt Dettwiler immer wieder auf
die Konstruktion unseres Naturbildes an, darauf, dass nicht nur unsere
Naturgestaltung, sondern schon unsere Wahrnehmung von Natur
voreingenommen und interessengeleitet ist. So verweist die Werkreihe
Schläft ein Lied in allen Dingen, die sich auf den berühmten
Rorschach-Test, ein psychodiagnostische Testverfahren zur Erforschung
der Persönlichkeit, bezieht nach Regula Dettwiler auf die "Natur als
Projektionsfläche menschlicher Sehnsüchte und Ängste".
Susanne Witzgall, in "(re)designing nature", 2010
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